Was Ihre Wasserleitungen jetzt brauchen
1. Warum Sommer und Wasserhygiene ein schwieriges Paar sind
Temperaturen über 30 Grad, urlaubsbedingt geschlossene Praxen und Wasser, das tagelang in den Leitungen steht: Die Sommermonate sind für die Wasserhygiene in Zahnarztpraxen die kritischste Phase des Jahres. Warum das so ist, was dabei in Ihren Leitungen passiert und wie Sie den Praxisbetrieb nach der Sommerpause sicher wieder aufnehmen, lesen Sie in diesem Beitrag.
Für Zahnarztpraxen ist das Thema besonders relevant. Wasser fließt hier nicht nur durch Waschbecken und Spülen, sondern durch eine Vielzahl wasserführender Systeme in den Behandlungseinheiten. Es wird direkt in der Patientenversorgung eingesetzt und kann durch Aerosolbildung auch das Praxisteam betreffen. Wenn dieses Wasser zu lange steht oder die Temperaturen nicht stimmen, steigt das Risiko für mikrobiologische Belastungen.
Trinkwasserinstallationen in Gebäuden reagieren empfindlich auf Wärme. Steigen die Außentemperaturen, erwärmen sich auch die Kaltwasserleitungen, die häufig ungedämmt durch Schächte und Wände verlaufen. Bereits ab 25 °C beginnt ein Temperaturbereich, in dem sich Legionellen und andere Mikroorganismen deutlich schneller vermehren. Zwischen 25 °C und 50 °C finden sie optimale Wachstumsbedingungen.
2. Nicht nur Warmwasser: Auch Kaltwasser wird zum Risikofaktor
Was viele unterschätzen: Nicht nur die Warmwasseranlage ist betroffen. Werden Kaltwasserleitungen dauerhaft über 25 °C erwärmt, etwa durch hohe Außentemperaturen oder längere Stagnationszeiten bei geschlossener Praxis, können sich auch dort Mikroorganismen vermehren. Die Trennung in „Warmwasser ist kritisch, Kaltwasser ist sicher“ greift im Sommer zu kurz.
Dieser Effekt verstärkt sich während der Urlaubszeit. Wer die Praxis für eine oder mehrere Wochen schließt, lässt das gesamte Leitungssystem in einem stehenden Zustand zurück. Die Kombination aus Stagnation und sommerlicher Wärme schafft Bedingungen, unter denen sich Biofilme aufbauen und Keime vermehren können.
3. Was die Vorschriften verlangen
Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV), die VDI/DVGW-Richtlinie 6023, die relevanten DIN-Normen und die Empfehlungen des RKI/KRINKO bilden den Rahmen für die Wasserhygiene in Zahnarztpraxen. Im Kern geht es um drei Punkte: die Sicherung der mikrobiologischen Wasserqualität, die Überwachung der wasserführenden Systeme und die Prävention wasserassoziierter Infektionsrisiken.
Für die Praxis bedeutet das konkret, dass nach längeren Betriebsunterbrechungen dokumentierte Maßnahmen zur Wiederinbetriebnahme erforderlich sind. Das ist keine Empfehlung, sondern Teil der hygienerechtlichen Sorgfaltspflicht. Aktuelle Forschung unterstreicht das: Das LeCo-Projekt (Legionella Control in Buildings) der Schweizer Forschungsanstalt Eawag hat über fünf Jahre gezeigt, dass Einzelmessungen nicht ausreichen und es ein Zusammenspiel aus kontinuierlicher Überwachung, technischer Optimierung und betrieblicher Prävention braucht.
4. Vier Empfehlungen für den Wiedereinstieg nach der Sommerpause
Bevor nach der Sommerpause die erste Patientin oder der erste Patient auf dem Stuhl sitzt, sollten vier Punkte systematisch abgearbeitet sein:
Spülpläne konsequent umsetzen. Nach längeren Schließzeiten alle wasserführenden Systeme nach praxisindividuellen Vorgaben spülen und die Maßnahmen lückenlos dokumentieren. Jede Praxis hat unterschiedliche Leitungslängen, Totleitungen und Nutzungsmuster. Ein allgemeiner Spülplan reicht nicht aus. Individuelle Spülpläne legen fest, welche Entnahmestellen in welcher Reihenfolge und Dauer gespült werden, und schaffen so die Grundlage für eine dokumentierte, nachvollziehbare Wasserhygiene.
Wasserqualität mikrobiologisch prüfen. Wasserproben liefern objektive Hinweise auf die mikrobiologische Wasserqualität und ermöglichen deren Bewertung. Sie machen sichtbar, was mit bloßem Auge nicht erkennbar ist. Gerade nach längeren Betriebsunterbrechungen geben sie Aufschluss darüber, ob die Spülmaßnahmen ausreichend waren oder ob weitergehende Schritte erforderlich sind.
Hygiene- und Herstellerangaben beachten. Bei der Wiederinbetriebnahme die Vorgaben des eigenen Hygieneplans strikt mit den Herstelleranweisungen der dentalen Behandlungseinheiten abgleichen. Die Herstellerangaben liefern die genauen Spülzeiten, Aufbereitungsschritte und Vorgehensweisen für die jeweiligen Geräte.
Wasserhygiene dauerhaft überwachen. Regelmäßige Kontrollen, Wartungen und eine kontinuierliche Dokumentation minimieren mikrobiologische Risiken langfristig. Spülpläne und Wasserproben zusammen bilden die Grundlage für eine Wasserhygiene, die auch bei einer Praxisbegehung standhält.
5. Wasserhygiene ist eine Daueraufgabe
Die Sommerpause ist ein besonders kritischer Zeitpunkt, aber kein Einzelfall. Wasserhygiene ist eine laufende Aufgabe, die das ganze Jahr über Aufmerksamkeit erfordert. Regelmäßige Kontrollen, Wartungen und eine lückenlose Dokumentation sind keine bürokratische Pflichtübung, sondern schützen Patientinnen und Patienten, das Praxisteam und nicht zuletzt die Praxis selbst.
Wer sich unsicher ist, wie es um die Wasserhygiene in der eigenen Praxis steht, kann das mit einem kostenlosen Hygiene-Check klären. Und wer einen individuellen Wassersicherheitsplan oder Spülplan für die eigene Praxis besprechen möchte, findet hier den richtigen Einstieg:
Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Blue Safety Hygienetechnologie GmbH, Spezialist für Wasserhygiene in Zahnarztpraxen.


