Mit Mimikresonanz die richtigen Mitarbeiter finden
In Zeiten von Fachkräftemangel, hoher Fluktuation und steigenden Anforderungen an das Gesundheitspersonal steht das Personalmanagement vor einer immensen Herausforderung:
die passenden Mitarbeiter zu finden und langfristig zu binden.
Insbesondere in Kliniken, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen sind nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern vor allem emotionale Intelligenz und zwischenmenschliche Fähigkeiten gefragt. Empathie, Belastbarkeit und kommunikative Stärke sind essenziell, um den vielfältigen Anforderungen des Berufsalltags gerecht zu werden.
Hier setzt die Mimikresonanz an – eine Methode, die es ermöglicht, Emotionen authentisch zu erkennen und fundierte Entscheidungen im Bewerbungsprozess zu treffen. Mimikresonanz hilft nicht nur, das wahre Potenzial eines Bewerbers zu erkennen, sondern auch seine emotionale Stabilität und seine sozialen Fähigkeiten besser einzuschätzen.
Mimikresonanz im Vorstellungsgespräch:
Emotionen erkennen und verstehen
Mimikresonanz beschreibt die Fähigkeit, die unbewussten, spontanen Gesichtsausdrücke eines Menschen zu erkennen und richtig zu interpretieren. Besonders Mikroexpressionen – extrem kurze emotionale Gesichtsausdrücke, die innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde auftreten – geben Einblicke in die tatsächlichen Emotionen eines Bewerbers.
Gerade im Gesundheitswesen, wo täglicher Patientenkontakt und Teamarbeit im Vordergrund stehen, ist es essenziell, emotionale Intelligenz und Empathie bereits im Bewerbungsprozess zu erkennen. Hierbei hilft die Mimikresonanz, die nonverbalen Signale eines Bewerbers zu entschlüsseln.
Beispiel aus der Praxis:
Ein Bewerber für eine Stelle in der Notaufnahme gibt an, gut mit Stress umgehen zu können. Während er dies sagt, zeigt sich jedoch ein kurzes Zucken der Augenbrauen – ein mögliches Zeichen von Unsicherheit oder Stress.
Hier kann gezielt nachgefragt werden: „Wie reagieren Sie konkret, wenn mehrere Notfälle gleichzeitig eintreffen?“ So lässt sich die Selbstdarstellung hinterfragen und die tatsächliche Belastbarkeit besser einschätzen.
Emotionale Intelligenz:
Ein Muss im Gesundheitswesen
In Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen sind emotionale Intelligenz und soziale Kompetenz nicht nur wünschenswert, sondern essenziell. Mitarbeiter müssen nicht nur fachlich kompetent sein, sondern auch empathisch auf Patienten und Kollegen eingehen können. Insbesondere in schwierigen Situationen – z. B. bei Konflikten mit Patienten oder in Krisensituationen – entscheidet die emotionale Intelligenz darüber, wie erfolgreich und deeskalierend gehandelt wird.
Mimikresonanz im Fokus:
Mimikresonanz hilft, die emotionale Stabilität und Empathiefähigkeit eines Bewerbers bereits im Vorstellungsgespräch zu erkennen. Indem man Mikroexpressionen bewusst wahrnimmt, lassen sich unausgesprochene Gefühle besser verstehen.
Praxis-Tipps für Vorstellungsgespräche im Gesundheitswesen:
- Emotionale Reaktionen beobachten: Achten Sie auf spontane Gesichtsausdrücke, wenn sensible Themen wie Stressbewältigung oder Konfliktsituationen angesprochen werden. Mikroexpressionen wie ein kurzes Zucken der Mundwinkel oder ein Anspannen der Augenpartie können wertvolle Hinweise auf innere Anspannung geben.
- Gezielte Fragen stellen: Formulieren Sie Fragen, die emotionale Reaktionen hervorrufen, z. B.: „Wie reagieren Sie, wenn ein Patient Sie ungerecht behandelt?“ oder „Wie gehen Sie mit Kollegen um, die in Stresssituationen laut werden?“
- Resonanz nutzen: Indem man die Mimik des Gegenübers achtsam spiegelt (z. B. durch leichtes Nicken oder ein empathisches Lächeln), schafft man eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre und fördert Authentizität.
Fallstricke im Vorstellungsgespräch:
Authentizität erkennen und Manipulation vermeiden
Im Bewerbungsprozess versuchen Kandidaten oft, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Das ist menschlich und verständlich, kann aber dazu führen, dass authentische Emotionen verdeckt werden. Mimikresonanz hilft dabei, Authentizität zu erkennen und gezielte Darstellungen zu hinterfragen.
Worauf man achten sollte:
- Inkongruenzen zwischen Mimik und gesprochener Aussage: Wenn ein Bewerber von „Teamfähigkeit“ spricht, dabei aber die Lippen anspannt oder die Augenbrauen kurz zusammenzieht, könnte dies auf innere Unsicherheit oder Unstimmigkeiten hindeuten.
- Vermeidung von Suggestivfragen: Fragen wie „Sie kommen doch sicher gut mit Stress zurecht, oder?“ führen zu gewünschten Antworten und nicht zu ehrlichen Emotionen.
- Drucksituationen vermeiden: Wenn Bewerber unter Druck gesetzt werden, verfallen sie oft in ein „Fight-or-Flight“-Muster, was die Mimik verfälschen kann. Authentizität zeigt sich am ehesten in einer entspannten Gesprächsatmosphäre.
Die Bedeutung der Baseline:
Emotionen im Kontext verstehen
Eine der größten Herausforderungen bei der Interpretation von Emotionen ist es, sie in den richtigen Kontext zu setzen. Hier spielt die sogenannte „Baseline“ eine entscheidende Rolle. Die Baseline beschreibt den natürlichen, neutralen Gesichtsausdruck und das typische Verhalten einer Person in einem entspannten, unverfälschten Zustand.
Ohne das Wissen um die Baseline kann es leicht zu Fehlinterpretationen kommen. Warum? Weil Mikroexpressionen nicht immer auf das aktuelle Gespräch oder die gestellte Frage bezogen sein müssen. Sie können auch durch Gedanken, Erinnerungen oder externe Einflüsse ausgelöst werden, die nichts mit der aktuellen Situation zu tun haben.
Beispiel aus der Praxis:
Ein Bewerber zeigt während der Frage nach seiner Teamfähigkeit einen kurzen Ausdruck von Ärger oder Anspannung. Ohne die Baseline zu kennen, könnte dies als negatives Gefühl gegenüber Teamarbeit interpretiert werden. Möglicherweise denkt der Bewerber jedoch an eine frühere, belastende Erfahrung, die nichts mit der aktuellen Frage zu tun hat.
Wie man die Baseline richtig ermittelt:
- Entspannte Gesprächsatmosphäre schaffen: Beginnen Sie das Gespräch mit Smalltalk oder neutralen Fragen wie „Hatten Sie eine angenehme Anreise?“ oder „Was motiviert Sie, im Gesundheitswesen zu arbeiten?“. Dadurch zeigt der Bewerber seine natürliche Mimik und Gestik, ohne unter Druck zu stehen.
- Auf nonverbale Konstanten achten: Beobachten Sie, welche Gesichtsausdrücke und Körperhaltungen der Bewerber regelmäßig zeigt, wenn keine emotional aufgeladenen Themen besprochen werden.
- Veränderungen erkennen: Sobald die Baseline etabliert ist, lassen sich emotionale Abweichungen besser erkennen und im richtigen Kontext interpretieren. Zeigt der Bewerber z. B. nur bei bestimmten Fragen oder Themen eine Veränderung in der Mimik, kann dies auf ein emotionales Empfinden in Bezug auf genau dieses Thema hindeuten.
- Mehrfache Beobachtung und gezieltes Nachfragen: Wiederholen Sie ähnliche Fragen zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Gesprächs, um zu prüfen, ob sich die emotionale Reaktion wiederholt oder eine einmalige Reaktion war.
Warum die Baseline im Gesundheitswesen besonders wichtig ist:
Im Gesundheitswesen sind Empathie und emotionale Stabilität essenziell. Fehlinterpretationen können jedoch dazu führen, dass qualifizierte Kandidaten falsch eingeschätzt werden. Das Wissen um die Baseline verhindert, dass Mikroexpressionen vorschnell gedeutet werden, und sorgt für eine fundierte, objektive Personalauswahl.
Praxis-Tipp:
Verwenden Sie während des gesamten Gesprächs eine Mischung aus neutralen und emotional geladenen Fragen, um die Baseline zu festigen und emotionale Abweichungen präzise zu erkennen.
Richtige Fragetechnik:
Emotionen gezielt erfragen und authentische Antworten erhalten
Nicht nur das Beobachten der Mimik, sondern auch gezieltes Fragen fördert authentische Antworten. Offene Fragen regen zum Nachdenken an und lassen Spielraum für Emotionen und Reflexion.
Effektive Fragetechniken im Gesundheitswesen:
- Offene Fragen: „Wie gehen Sie mit emotional belastenden Situationen um, z. B. bei schlechten Nachrichten für Patienten?“
- Erlebnisfragen: „Erzählen Sie mir von einer Situation, in der Sie mit einem schwierigen Patienten umgehen mussten. Wie haben Sie sich dabei gefühlt, und wie haben Sie reagiert?“
- Reflexionsfragen: „Was haben Sie aus herausfordernden Teamkonflikten gelernt?“
Fazit: Mit Mimikresonanz empathische Mitarbeiter finden und binden
Gerade im Gesundheitswesen, wo emotionale Kompetenz und Empathie täglich gefordert sind, ist es entscheidend, auf die emotionale Ebene der Bewerber einzugehen. Mimikresonanz bietet eine wertvolle Möglichkeit, die Authentizität und emotionale Intelligenz von Kandidaten zu erkennen und so eine fundierte und wertschätzende Personalauswahl zu treffen.
Wer die Mimik bewusst wahrnimmt und gezielte Fragen stellt, findet Mitarbeiter, die nicht nur fachlich, sondern auch menschlich ins Team passen – und stärkt damit die Arbeitskultur und Patientenzufriedenheit nachhaltig.
Praxis-Tipp:
Nutzen Sie bei Ihrem nächsten Vorstellungsgespräch gezielt Mimikresonanz und emotionale Fragetechniken. Sie werden erstaunt sein, wie viel mehr Sie über die Persönlichkeit und emotionale Stabilität eines Bewerbers erfahren.
Ihre Netzwerk Expertin
Sabine Finkmann