Dass Klettern die beste Sportart der Welt ist, muss ich wohl niemandem erklären – zumindest mir nicht.
Beim Klettern ist wirklich nur Klettern angesagt: Absoluter Fokus.
Genau das liebe ich auch an meinem Beruf. Als Zahntechnikerin tauche ich vollständig in meine Arbeit ein. Dann zählen nur der Patient und ich. Alles andere kann warten.
Wenn der Kopf nicht abschaltet
So oft habe ich versucht, nach der Arbeit laufen zu gehen.
Als Ausgleich zu meinem Beruf und einer vierköpfigen Familie eigentlich perfekt: schnell 30 oder 45 Minuten auspowern und davor oder danach die nächsten To-dos erledigen.
Aber es klappt nicht. Die Gedanken bleiben.
Wann mache ich die Wäsche?
Wie organisiere ich noch schnell das Geschenk für den Kindergeburtstag?
Wer muss wann und wo abgeholt werden?
Was steht diese Woche noch alles an?
Musik oder Podcasts helfen mir nicht – im Gegenteil. Danach ist mein Kopf oft voller als vorher. Für mich ist das keine Auszeit vom Alltag, sondern ein weiterer Punkt zum Abhaken.
Und dieses Gefühl, dass mir gleich der Kopf platzt.
Warum Klettern anders ist
Beim Klettern ist das anders.
Ich muss zwar mehr Zeit einplanen, aber dort gibt es keinen Platz für To-dos.
Da zählt nur der nächste Griff, meine Seilpartnerin Vera und ich. Punkt.
Ich muss mich mit mir selbst auseinandersetzen:
mit meinen Ängsten
meiner Tagesform
meiner Konzentration
Danach ist der Kopf leer.
Die Gedanken hatten Pause.
Mein Körper ist entspannt – von der Anspannung währenddessen.
Und ich habe wieder Kraft für neue Ideen und unerledigte To-dos.
Die sind nicht weniger geworden, aber ich kann mich neu auf sie einstellen.
Immer ein Schritt nach dem anderen.
Seilschaften – nicht nur am Fels
Und eigentlich braucht es diese Seilschaften und diesen Fokus nicht nur in der Halle oder am Fels.
Es braucht immer jemanden, der klettert, und jemanden, der sichert.
Übertrage ich das auf meinen Alltag, dann ist es ein Geschenk, mit Zahnärztinnen und Zahnärzten zu arbeiten, bei denen klar ist:
Wir sind eine gute Seilschaft.
Wir haben ein gemeinsames Ziel.
Wenn wir gut zusammenarbeiten, kommen wir heil oben an – und können die Aussicht genießen:
ein lächelnder Patient,
eine gut funktionierende Praxis.
Wir haben gemeinsam Erfolg.
Vertrauen trägt – auch bei Gegenwind
Dann bringen uns auch Wettereinbrüche oder Felsstürze nicht aus der Fassung.
Dieses Vertrauen verbindet und stärkt.
Die Kommandos sind klar.
Wir können uns aufeinander verlassen.
Auch zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer funktioniert es am besten als Seilschaft.
Jeder bringt etwas ein – und gemeinsam entsteht ein Gewinn für beide Seiten.
Seilschaft in Partnerschaft und Leben
In meiner Partnerschaft sind wir stark, weil wir ein Team sind.
Grundlegend mit dem gleichen Ziel.
Kritik ist kein Gegeneinander, sondern der Versuch, die bessere Route zu finden.
Für ein gemeinsames Abenteuer – auch wenn es regnet oder stürmt.
Davon wünsche ich mir mehr.
Was ich nicht mehr tragen will
Ich habe keine Lust und keine Zeit für unangebrachte Kommentare, Gängeln oder böse Blicke. Das ist Ballast, den ich mir nicht auch noch in meinen Rucksack packen will.
Er bringt mich von der Route ab, zwingt mich im schlimmsten Fall zum Abklettern oder Aufgeben.
Und vor allem:
Es fühlt sich nicht gut an, nicht zu wissen, was passiert, wenn ich falle.
Hast du mich?
Hast du mich?
Bist du aufmerksam?
Willst du mit mir nach oben?
Ich brauche jemanden am anderen Ende des Seils, der dasselbe Ziel hat.
Lasst uns Seilschaften bilden
Lasst uns Seilschaften bilden.
Lasst uns verlässlich sein.
Klar in der Kommunikation.
Aufmerksam füreinander.
Wer seinen Seilpartner gefunden hat, sollte ihm treu bleiben.
Denn ein eingespieltes Team, Vertrauen und ein gemeinsames Ziel sind das Wertvollste, was wir haben –
im Beruf, in Beziehungen und im Leben.

